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Archiv für Dezember 2010|Monatsarchiv

Das Trujillo-Syndrom

In ARBEITEN 2010/2011, Das Trujillo-Syndrom am Dezember 8, 2010 um 10:03 nachmittags

Ausgangspunkt des Projekts ist Trujillo, eine kleine Stadt in der spanischen Extremadura, deren Name insgesamt 21-mal in den amerikanischen Raum exportiert wurde. Trujillo wird zum exemplarischen Untersuchungsrahmen für ein Phänomen, das der Erfinder der modernen Sprachgeographie Jules Gilliéron „lästige Homonymie“ (“homonymie gênante”) bezeichnet hat – ein Name, der durch seine multiple Identität Verwirrung stiftet. Im September 2009 reist die Toponymikerin Cordula Daus erstmals zu einer Feldforschung ins spanische Trujillo. 2011 wird das Projekt im peruanischen Trujillo fortgesetzt.

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Palacio de la Conquista [Farbspektographie/ICN]


--Palacio de la Conquista [Fotografie/NGT]

Der „Palast der Eroberung“ (Palacio de los Marqueses de la Conquista) steht im Zentrum der spanischen Stadt Trujillo. Das Gebäude wurde Ende des 16. Jahrhunderts von Hernando Pizarro, dem Bruder des berühmten Eroberers Fancisco Pizarro zu Ehren seiner Familie und mittels der in Peru gewonnenen Reichtümer erbaut. Bis heute befindet sich das Gebäude im Privatbesitz der Familie Pizarro, ist jedoch seit 100 Jahren unbewohnt. Der Erbauer des Palastes, Hernando Pizarro, lebte hier mit seiner jungen Frau und Nichte, Francisca Pizarro y Yupanqui, der Tochter des Eroberers Francisco Pizarros und der Inkaprinzessin Inés Huaylas. Francisca wurde daher als “erste adelige Mestizin Spaniens” bezeichnet. Jüngste kunsthistorische und archäologische Untersuchungen ergaben, dass der Palast zur Zeit seiner Erbauung das farbenfrohesten Gebäude der ganzen Stadt gewesen sein muss. Das prominente Wappen der Pizarros an seiner Fassade war mit peruanischem Lapislazuli bemalt, die Gitterstäbe der Fenster mit Gold beschichtet. Experten sprechen von den “Farben der Mestizaje”.

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Pizarro’s lover

[Audio, 9'28 min, Stimmen: Josiane P., Sarah Marrs]

Die Belgierin Josiane P. (67) arbeitet seit 1962 als Fremdenführerin in Trujillo. Sie bezeichnet sich selbst als „Geliebte Francisco Pizarros“ und hat alle existierenden Biographien über den Eroberer Pizarro gelesen. In ihren Stadtführungen interpretiert sie die iberoamerikanische Geschichte auf ganz subjektive Weise. Ihr Sohn Francisco, der nach dem großen Vorbild Pizarro benannt wurde, ist Künstler und Programmierer. Mit 22 änderte er seinen Namen. Bis heute spricht er nicht mehr mit seiner Mutter.


(* am besten mit Kopfhörern)

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Pizarro-Denkmal von Charles C. Rumsey (1879 – 1922)
Trujillo/Spanien

In den 1920er Jahren schuf der Bildhauer Rumsey zwei Denkmäler, die ursprünglich zwei identische, namenlose Reiter repräsentierten. Eine von ihnen sollte den Eroberer Mexikos, Hernán Cortés, darstellen. Rumsey bot die erste Skulptur dem Land Mexiko an, welches jedoch ablehnte. Da sich die Konquistadoren mit ihren Bärten und Helmen sehr glichen, kam die Frau des Künstlers, eine große Verehrerin Pizarros, nach dem Tod ihres Mannes auf die Idee, das Denkmal der Stadt Trujillo in Spanien zu schenken. 1929 wurde es schließlich zu Ehren Pizarros im Zentrum Trujillos aufgestellt. Weitere Kopien des Monuments befinden sich bis heute in Lima und Buffalo. Vor ein paar Jahren wurde die Pizarro-Statue im Zentrum Limas nach großen Protesten der indigener Gruppen an einen weniger prominenten Ort versetzt. Das Schwert Pizarros sowie die Hoden des Pferdes wurden im Verhältnis zu den restlichen Elementen der Skulptur überdimensional groß angelegt.

Geostücke

In ARBEITEN 2010/2011, Geostücke am Dezember 8, 2010 um 8:33 nachmittags

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Geostücke, 21 Objekte, Ton, ca. 10 x 13 x 4 cm, NGT 2010

Nachbildung einer Serie von insgesamt 21 topographischen Miniaturen der Städte Trujillo nach Skizzen und Aufzeichnungen des Toponymikers J.C. Duenkel (1905- 1970). Duenkel studierte die Einwirkung von Ortsnamen auf ein Territorium und suchte dabei nach vergleichbaren Elementen und Einschreibungsmustern. Er selbst hatte einen erweiterten Geographiebegriff – Duenkel ging davon aus, dass die Erde die Einwirkung von Namen und Sprechakten wie ein „Engramm“ speichert, und dass diese nicht nur als geographische Spur (als Graphie), sondern als „Erinnerung“ im kollektiven Gedächtnis über- und weiterleben. (Mit der freundlichen Unterstützung des Instituto Geográfico Lima)

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